Abschaffung der Netzneutralität in den USA

Welchen Einfluß hat das auf europäische Vorhaben zur digitalen Business Transformation?

Der 14.12.2017 war ein herber Schlag für die Bürgerrechtsbewegungen für ein freies Internet und der Demokratie in den USA. Mit einer knappen Mehrheit von 3:2 Stimmen wurde am 14.12.2017 beschlossen, die Netzneutralität, die in den USA erst im Jahr 2015 eingeführt wurde, abzuschaffen. Damit hebt die USA drei wesentlichen Punkte für Internet-Service-Provider auf (Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/FCC-gegen-Zwei-Klassen-Internet-Die-Drei-Gebote-der-Netzneutralitaet-2560672.html):

  • Keine Websperren für rechtmäßige Inhalte, Anwendungen, Dienste oder unschädliche Geräte.
  • Keine Tempobremsen (Throttling) für “legalen Internetverkehr” auf Basis von rechtmäßigen Inhalten, Anwendungen, Diensten oder unschädlicher Geräte.
  • Keine Bevorzugung legalen Internetverkehrs gegenüber anderem legalen Internetverkehr im Austausch gegen Zuwendungen jeglicher Art. Auch eigene Inhalte und Dienste dürfen die Breitbandanbieter nicht bevorzugen.

Was aber bedeutet das nun für uns in Europa? Wie sind wir in unserem Bestreben bei der Digital Business Transformation davon betroffen?

Zunächst einmal muss ein gemeinsames Verständnis der Netzneutralität hergestellt werden. Erfunden und durch jahrelange politische Aktivitäten umgesetzt, wurde das Thema Netzneutralität durch Tim Wu im Jahre 2002. Dahinter verbirgt sich die Gleichbehandlung von Daten bei der Übertragung im Internet. Mit der europäischen Verordnung 2015 / 2120 vom 25.11.2015 wurde die Netzneutralität in Europa beschlossen. In dem Jahresbericht 2016/2017 (Quelle: Bundesnetzagentur)  der Bundesnetzagentur (Deutschland) wird der aktuelle Stand der Einhaltung der Netzneutralität in Deutschland bekannt gegeben.

Gemäß der EU-Verordnung ist auch das Thema Datenschutz und Schutz der Privatsphäre aufgegriffen worden, wonach personenbezogene Daten nur dann verarbeitet werden dürfen, wenn diese zur Erreichung der im Absatz 3 der EU-Verordnung (Gewährleistung des Zugangs zum offenen Internet) notwendig sind. Die EU-Verordnung lässt sich hier in verschiedenen Sprachen herunterladen.

Die Netzneutralität ist also ein fundamentaler Bestandteil für Innovation und Demokratie. In einer Stellungnahme des Bitkom vom 29.02.2016 heisst es:

“Ein effektiver Schutz des Zugangs zum offenen Internet ist durch die Verordnung erreicht worden. Gleichzeitig ist sie grundsätzlich innovationsoffen. Es ist wichtig, dass die EU-Gesetzgebung hinsichtlich Traffic Management und Netzneutralität die Freiheit der Endnutzer und die kommerzielle Freiheit der Betreiber bewahrt, damit innovative Geschäftsmodelle zum Nutzen von Endkunden und Inhalte- bzw. Dienste-Anbietern im Internet realisiert werden können, ohne die Wettbewerbsstruktur des Sektors negativ zu beeinflussen. Aus Sicht des Bitkom müssen daher Nutzer das Recht und die Wahlfreiheit haben, Vereinbarungen mit ihren Anbieter über die Ausgestaltung des Internetzugangsdienstes zu treffen. Solche Vereinbarungen dürfen sich dabei nicht auf Merkmale wie Preis, Volumen oder Bandbreite beschränken, sondern müssen auch Vereinbarungen über weitere Charakteristika ermöglichen.” (Quelle: https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/Unternehmen_Institutionen/Breitband/Netzneutralitaet/Bitkom.pdf;jsessionid=F075DE314B15082F323FE21BB9A793FE?__blob=publicationFile&v=1)

Doch zurück zu unserer Frage. Allgemein wird die Netzneutralität als innovationsfördernd bei gleichzeitigem Schutz der Daten und der Privatsphäre angesehen. Gemäß der Definition der Netzneutralität, werden Datenpakete gleich behandelt, unabhängig von Sender und Empfänger, dem Inhalt der Pakete und der Anwendung, die diese Pakete generiert hat. In kompletten egalitären Netzen werden Datenpakete alle gleich behandelt. Typischerweise allerdings werden Datenpakete in Dienstegruppen zerlegt, um so ein besseres Antwortzeitverhalten durch Priorisierung zu erreichen. Netz-Dienstleister nennen dieses “Quality-of-Service”. Diese Priorisierung ist besonders in zeitkritischen Anwendungen extrem wichtig und gewollt. Dennoch bedeutet dieses nicht, dass damit die Netzneutralität aufgehoben oder verletzt ist.

Clouddienste sind extrem abhängig von den darunterliegenden Netzwerken, da diese die Erreichbarkeit von diesen Diensten sicherstellen. Die Nutzung von Cloud-Diensten aller Art wird durch die Nutzung verschiedener Internet-Service-Provider, die die Kunden von Clouddiensten und die Betreiber dieser selbst an das Internet anschließen, gewährleistet. Betrachtet man die Marktanteile der Cloudanbieter (IaaS, PaaS, SaaS), so stellt man fest, dass Amazon Web Services (AWS) mit einem Marktanteil von 34% der stärkste Anbieter darstellt, gefolgt von Microsoft Azure mit 11 % Marktanteil, IBM mit 8 % Marktanteil und Google mit nur 5 % Marktanteil (Quelle: statista – Das Statistik-Portal). Auffällig dabei ist, dass diese Unternehmen alle US-amerikanische Unternehmen sind.

Innerhalb der Bestrebungen der Digital Business Transformation werden viele IT-Infrastrukturen hin zu Cloud-Anbietern migriert. Dieser Trend ist auch in Europa ungebrochen. Die Amazon Web Services Cloud stellt dabei die größte aktuell nachgefragte Cloudumgebung dar. Das verwundert nicht, wenn man sich das Potential und die Verfügbarkeit der AWS-Cloud einmal ansieht. Es existieren 46 Availability-Zonen in 15 Regionen weltweit, die die Services in der Cloud übernehmen können. Ein weiterer Ausbau ist geplant. Allein auf Grund dieser Dimension wird schnell klar, dass die Aufhebung der Netzneutralität einen Anbieter wie Amazon nichts anhaben kann. Außerdem regelt die Aufhebung der Netzneutralität nur den Netzverkehr in den USA, nicht in Europa. Aber es ist potentiell möglich, dass Netzbetreiber in den USA Verbindungen einiger Cloud-Anbieter “diskriminieren” könnten.

Das könnte besonders der Fall bei kleineren Cloud-Anbietern sein, die nicht die notwendige finanzielle Potenz besitzen, ein weltweites Rechenzentrumskonstrukt zum Anbieten seiner Cloud-Services anzubieten. Insbesondere dann, wenn Nischen-Services erbracht werden, wie zum Beispiel um das Zusammenspiel mehrerer unabhängiger Cloud-Anbieter zur Erbringung eines Business-Services zur Zusammenarbeit zu bewegen, kann es auch hierzulande zu Problemen führen, würden diese Diensteanbieter durch die Abschaffung der Netzneutralität diskriminiert. Nach Auffassung des Vorsitzenden der FCC (Federal Communications Commission – vergleichbar mit der Bundesnetzagentur in Deutschland) Ajit Pai seien von der Netzneutralität besonders die kleinen Anbieter betroffen gewesen, weshalb man nun den Fehler korrigiert hätte.

Unserer Auffassung nach ist die Abschaffung der Netzneutralität ein Fehler und ein gravierender Einschnitt die die demokratischen Grundwerte, da diese Tür und Tor für die Überwachung von Datenpakete, als auch die Zensierung von Inhalten darstellt. Auf die europäische Digital Business Transformation in Unternehmen sehen wir allerdings – wenn überhaupt – nur einen minimalen Einfluß.

Netzneutralität ist ein Grundstein für Wachstum und Innovation!

Wir von Knowhere Consulting sind der Überzeugung, dass die Netzneutralität ein wichtiges Instrumentarium für Innovation und Wachstum in der Wirtschaft darstellt. Wir brauchen keine Gesetze, die die digitale Kriminalität und Spionage noch begünstigt. Aus diesem Grund setzen wir uns für die Netzneutralität ein und entwickeln besonders für den privaten Sektor Lösungen wie zum Beispiel die SafeNetBox®.